girl-56683_1280

Wenn die Wurzeln fehlen – wird das Fliegen schwierig…..

Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln – wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel…..

Heute habe ich in einem Blogartikel mal wieder gelesen, wie wichtig es ist, den eigenen Eltern zu vergeben, denn sie haben es ja nur gut gemeint und eben nicht besser gewusst.

Ja, sicherlich ist es gut zu vergeben und keinen alten Groll mit sich herumzutragen. Doch dieses vergeben kann man nicht erzwingen. Denn wenn man versucht zu vergeben, obwohl die alten Verletzungen und die daraus entstandenen Glaubenssätze und verinnerlichten Überzeugungen noch nicht transformiert wurden und nicht heilen konnten, schaden wir uns mit dieser Form der Vergebung.

Das ist, wie wenn man über eine nicht gesäuberte Wunde einen Verband anlegt. Die Wunde schmerzt weiter und kann nicht heilen.

Denn wie oft haben Kinder bereits ihren Eltern vergeben und ihr Verhalten unbewusst gerechtfertigt. Kinder lieben ihre Eltern, egal wie sie sich verhalten.

Denn die Bindung zu den Eltern ist für Kinder überlebenswichtig. Wenn meine Eltern mich nicht beschützen, mich nicht behüten, wer soll es denn dann tun. Dann bin ich alleine und total verlassen auf dieser Welt.

Also idealisieren wir unsere Eltern, denn wenn wir erkennen müssten, dass unsere Eltern uns verletzen und uns nicht die Wertschätzung, Sicherheit und Geborgenheit bieten, nach der wir uns so sehr sehnen, dann müssten wir diese rießige Wut in uns spüren und würden Gefahr laufen, sie zu verlieren.

Die Schuld liegt immer bei mir

Also ist es für das Kind sicherer, sich selbst die Schuld zu geben. „Ich bin nicht gut genug, deswegen verhalten sie sich so.“

  • Wenn ich mit Liebesentzug bestraft werde, dann bin ich nicht liebenswert genug.
  • Wenn ich nur für Erfolge Aufmerksamkeit erhalte, dann liegt es eben an mir, mich noch mehr anzustrengen.
  • Wenn meine Bedürfnisse nicht erkannt oder abgetan werden, dann liegt es daran, dass ich es nicht wert bin.
  • Wenn sie keine Zeit für mich haben, dann bin ich nicht wichtig genug.
  • Wenn ich ihre Erwartungen nicht erfülle, habe ich es auch nicht verdient, geliebt zu werden.

Wenn aus Kindern Erwachsene werden

Ich habe in meinen vielen beruflichen Jahren, aber auch privat, zu viele verletzte, innere Kinder erlebt, die sich damit abmühen, Entschuldigungen für ihre Eltern zu finden.

Zu viele Erwachsene, die sich noch immer mit ihren in der Kindheit erworbenen Überzeugungen herumquälen und sich unsäglich anstrengen, um endlich zu zeigen, dass sie doch gut genug sind. Um endlich von diesem Etiket „mangelhaft“ erlöst zu werden und sich selber endlich als richtig und gut genug wahrnehmen zu können.

Das fatale an diesen verinnerlichten, oft unbewusseten Überzeugungen ist, dass wir sie immer und immer wieder in unserem Leben bestätigt sehen. Das Gesetzt der Anziehung sorgt dafür, dass wir das, was wir tief in uns als innere Wahrheit abgespeichert haben, in unser Leben ziehen. Unabhängig von unseren bewussten Wünschen.

Und was passiert, wenn wir den Eltern vergeben und Gründe dafür finden, dass sie keine Zeit für uns hatten, weil andere Dinge wichtiger waren. Wenn wir schon früh gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse nicht legitim waren und wir uns am Riemen reißen sollten. Wenn von uns verlangt wurde, uns anzupassen und den Ansprüchen der Umwelt gerecht zu werden, um dem Ansehen unserer Eltern nicht zu schaden.

Wenn wir selber nicht anerkennen, dass wir verletzt wurden und uns weiter die Schuld geben dafür, dass wir nicht so funktionieren, wie es von uns erwartet wird, dann werden wir einem unglaublich wichtigen Teil in uns nicht gerecht.

Das kleine Kind ist noch da

Diesem kleinen verletzten Kind in uns, dass wir noch immer in uns tragen.

Wenn wir vergeben und entschuldigen, ohne das wirklich etwas heilen konnte, verletzen wir selber unser inneres Kind auf ein Neues. Genauso, wie es das damals erlebt hat. Diese Verletzungen wurden von niemanden gesehen und als relevant eingestuft.

Mit diesem Schmerz war das kleine Kind alleine und fühlte sich ausgeliefert. Schutzlos gegenüber den Menschen, deren Aufgabe es eigentlich gewesen wäre, es zu beschützen und zu behüten.

Wenn wir vergeben, ohne den Schmerz des inneren Kindes zu würdigen, wird das innere Kind wieder übersehen und übergangen. Wieder sind die Eltern wichtiger und das Kind bleibt wieder sich selbst überlassen.

Doch jetzt als Erwachsener hat man die Möglichkeit, dem inneren Kind all das zu geben, was es damals vermisst hat. Jetzt können wir ihm den Trost, die Geborgenheit und die Wertschätzung geben, die es braucht.

Und wenn das innere Kind sich sicher fühlen kann, sich gesehen und angenommen fühlt, dann kann es uns unglaublich viel Energie, Lebenskraft, Freude  und Kreativität schenken.

Und dann, wenn die Verletzungen gesehen wurden, wir dem inneren Kind den Raum, die Aufmerksamkeit und die Anerkennung geben, die es verdient hat, dann können die bisherigen Überzeugungen als das erkannt werden, was sie waren. Eine falsche Interpretation. Denn es lag nie an dem kleinen Kind.

Und dann kannst Du erkennen, wie großartig Du tatsächlich bist. Wie liebenswert und fähig.

Verantwortung übernehmen

Es geht mir hier nicht darum, Eigenverantwortung abzugeben und die Schuld für alles den Eltern in die Schuhe zu schieben. Doch wenn die Verletzungen aus der Kindheit nicht heilen konnten, ist es ein ständiger Kampf um diesen Schmerz von damals nicht mehr spüren zu müssen.

Gerade hier beginnt die Eigenverantwortung, sich seinen Verletzungen zu stellen, diesen Schmerz tatsächlich zu spüren und nicht zu versuchen, ihn unter Süchten und Ablenkungen zu verstecken. Ihn nicht weiter zu verdrängen, um dann immer wieder auf ein Neues von ihm überrascht zu werden. Sich nicht immer und immer wieder in unangenehmen Situationen wie die 4-jährige zu fühlen. Ohnmächtig und hilflos.

Nicht zu resignieren und in diesen uralten Überzeugungen zu verharren.

Denn solange Du diese Überzeugungen in Dir trägst, wirst Du immer wieder in neuen Situationen damit konfrontiert werden.

Und deswegen ist es so wichtig, zuerst zu erkennen, dass dieses Kind verletzt wurde. Und auch die Wut zuzulassen und nicht die Abkürzung nehmen zu wollen, in dem man zu früh vergibt und  verzeiht und wieder die Verantwortung für die eigenen Eltern übernimmt.

Denn es geht um Dich. Es darf Dir gut gehen und Du darfst Dich lieben, so wie Du bist.

Und Dein inneres Kind braucht Dich und Deine Achtsamkeit. Gib Deinem Kind die Wichtigkeit, die es schon immer verdient hat.

Und dann kann wahre Vergebung geschehen, die allen gerecht wird.

Hier findest Du eine wunderbare Meditation von Veit Lindau für Dein inneres Kind.

Und hier habe ich Dir 5 Übungen für Dein inneres Kind zusammengestellt, die Du Dir herunterladen kannst.

Und wenn Du mehr über meine Arbeit erfahren möchtest, freue ich mich über einen Besuch auf meiner Seite www.phoenix-zimmermann.de

Beginne heute damit, Dir Deine Wurzeln selber zu geben, damit Du endlich fliegen kannst.

Deine Andrea Zimmermann

 

2 Gedanken zu “Wenn die Wurzeln fehlen – wird das Fliegen schwierig…..

  1. Helge Max Jahns schreibt:

    Zu Schuld und Wurzeln:
    SCHULD. Es gibt keine Schuld. Es sei denn, jemand definiert sie und ein anderer glaubt daran. Unsere Gerichte.
    Ansonsten gibt es ein Tun jedes Einzelnen. Daraus gibt es Ereignisse und Ergebnisse. Daraus gibt es Leiden. Wer Leiden bei einem anderen verursacht, hat dem, der zu Leiden gekommen ist, einen Ausgleich zu geben. Punkt. (Das geschieht aus vielfältigen Gründen heute meist nicht)
    WURZELN: Jedes menschliche Wesen hat Wurzeln von Anfang an, von Zeugung an. Und einen unvernichtbaren Lebenswillen. Sonst könnten wir über oder mit dem Menschen nicht mehr Kontakt haben, die früh gestört wurden, denn sie hätten nicht überlebt.
    Was gefordert ist: Wir müssen aufhören, diese Wurzeln und den Lebenswillen zu zertrampeln! Durch Erziehung oder sonstige Verhaltensweisen. Sind die Wurzeln stark gestört, hat der Mensch Probleme. Es gilt das zu finden, was an Wille, Entdeckungsfreude und Kraft weiterhin aktiv ist und wieder aktiver werden kann. Wurzeln geben kann ich mir nicht und kann niemand. Wurzeln sind von Anfang an da. Die gestörten Teile kann ich wieder regenerieren oder beginnen, mit den Störungen oder ihren Folgen zu leben, bewusst zu sein.
    Heisst: Wenn die Wurzeln gestört sind, fällt das Leben schwierig. Gleichwohl kann es mir besser gehen, wenn ich das erkenne und besseres Sein erreichen will.
    Fliegen tun wir Menschen nicht, also brauchen wir auch keine Flügel. Schönes Bild. Aber Illusion.
    Liebe Grüsse Helge Max Jahns (auch Therapeut, vor allem einer, der so etwas erlebt hat)

    • Andrea Zimmermann schreibt:

      Lieber Herr Jahns,

      vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar.
      Wenn wir uns nur auf unsere 5 Sinne beschränken, dann muss man Ihnen recht geben. Dann fliegen wir Menschen nicht. Doch ich hoffe sehr für Sie, dass sie schon mindestens einmal das Gefühl hatten, zu fliegen….
      Und ich bin fest davon überzeugt, dass jeder die Fähigkeit hat, seine eigenen Wurzeln zu erkennen, zu sehen, dass sie eigentlich die ganze Zeit da waren. Das ich nur an ihnen gezweifelt habe, weil ich der Meinung der anderen geglaubt habe. Und das dies eine Fehlinterpretation war. Wenn ich beginne, an meine eigenen Fähigkeiten zu glauben, (und das verstehe ich unter Wurzeln geben), dann kann ich fliegen…..
      Herzliche Grüße
      Andrea Zimmermann

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *