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Gelegentlich ein „Ströphchen heulen“

 

Wir leben in einer  Happy-Gesellschaft.

Wir sind immer alle gut drauf, sitzen strahlend in unsern flatternden Kleidchen auf Schaukeln, das Leben ist wunderbar und uns fällt alles leicht.

Nicht jammern, denn dann ziehen wir schlechte Ergebnisse an.

Positiv Thinking, dann wird alles gut.

Wenn das Leben Dir Zitronen schickt, dann mach Limonade draus…..

Aber es geht uns eben auch mal schlecht. Und es gibt kaum Menschen, die ohne Verletzungen durch´s Leben gehen.

Es gibt Tage, da läuft eben mal alles schief.

Du hast Dich wahnsinnig in etwas hinein gekniet und es will einfach nicht den Erfolg bringen, den Du Dir erhofft hast.

Es gibt Tage, da fällt das Marmeladenbrot eben fünfmal mit der Marmeladenseite auf den Boden.

Oder Du bist einfach mal schlecht drauf, keiner kann es Dir recht machen und alle sind eben gerade mal doof und gehen Dir auf die Nerven.

Du fühlst Dich überfordert und alles wächst Dir über den Kopf.

Und da gibt es noch die großen Krisen. Du wirst verlassen, verlierst Deinen Job, Du bemühst Dich so sehr um eine Veränderung, aber es will nicht gelingen…

Da sind diese schweren Gefühle, Angst, Trauer, Wut, Ohnmacht…..

Du erinnerst Dich an all die guten Ratgeber in denen steht: „erfolgreiche Menschen jammern nicht, sie sind lösungsorientiert und überlegen, wie sie das Beste aus dieser Situation machen können.“

Ja, das unterschreibe ich auch, aber erst als übernächsten Schritt.

Denn wenn Du jetzt ein gequältes Lächeln aufsetzt und so tust, alles wäre alles super und Dich tapfer bemühst  ein erfolgreiches  Mitglied der Happy-Gesellschaft zu sein, dann betrügst Du Dich selber, bist alles andere als authentisch und schadest Dir massiv selber.

Stelle Dir doch bitte mal vor, ein kleines Kind fällt hin und verletzt sich am Knie.

Was würdest Du tun?

Dem Kind sagen, dass es nicht so schlimm ist, das es tapfer sein soll, ein Indianer kennt keinen Schmerz, dass die Schmerzen wieder vergehen oder das die Wunde wieder verheilt ist bis es heiratet.

Das Kind möchte aber in den Arm genommen und getröstet werden. Es möchte, dass wir seine Schmerzen und sein Leid ernst nehmen.

Und genauso geht es auch unserem inneren Kind. Wenn wir Schmerzen haben, verletzt oder enttäuscht sind, dann will es mit all diesen Gefühlen wahrgenommen werden. Dann braucht dieses Gefühl Aufmerksamkeit und möchte nicht in die letzte Ecke unseres Bewusstseins verbannt werden.

wasserball

Wenn Du Deine schmerzhaften Gefühle unterdrückst

Du kannst Dir diese Gefühle auch wie einen Wasserball vorstellen. Du versuchst ihn unter Wasser zu drücken und dort zu halten,  musst dafür jedoch ständig eine enorme Menge an Energie aufwenden.

Und bist Du gerade mal abgelenkt und passt nicht auf, zack! fliegt Dir dieser Wasserball mit all der Kraft, die Du vorher aufgewendet hast, um ihn unten zu halten, um die Ohren.

Und dann bist Du Deinen Ängsten, Deiner Wut oder Deiner Hilflosigkeit plötzlich haltlos ausgeliefert und sie überrollen Dich.

Dein inneres Kind, das verletzte oder das wütende übernehmen die Kontrolle und lassen Dich Dinge tun oder sagen, die Du im nachhinein eventuell bereust und Dir zu allem Überfluss auch noch Schuldgefühle verursachen.

Den Schmerz zulassen

Eine liebe Freundin aus Düsseldorf hat dafür bei uns in der Familie den Begriff „ein Ströphchen heulen“ etabliert.

Diesen Schmerz und die Trauer zulassen, sich auf der Couch unter der Kuscheldecke einmuckeln, mit der traurigsten playlist, die Dein Smartphone zu bieten hat und mal richtig ausheulen. Sich mal richtig in dieses Mitgefühl, temporär auch gerne mal gepaart mit richtig dramatischen Selbstmitleid, hineinfallen lassen und solange heulen, bis alle Tränen weggeweint sind und nur noch ein leises Schniefen übrig bleibt.

Ohne Dich in der Geschichte, die Deine Gefühle ausgelöst haben, zu verlieren. Spüre einfach nur dieses Gefühl, nimm wahr, dass es weh tut, lass es richtig groß werden, nimm wahr, wo in Deinem Körper Du diesen Schmerz körperlich spürst. Einen Kloß im Hals, enge in der Brust, Druck im Magen……

Und nimm Dich dabei sanft und zart innerlich in den Arm. Gib Dir und Deinen Gefühlen all die liebevolle Aufmerksamkeit, die Du gerade so sehr brauchst. Lass all die Tränen aus Dir heraus bis Du Dich vollständig leer geweint hast.

Denn wenn Du diesen Gefühlen die Wertschätzung und Aufmerksamkeit schenkst, die sie brauchen, können sie sich verändern. Wenn Du durch diesen Schmerz hindurch gegangen bist, kannst Du wirkliche Veränderung zulassen und spüren. Der Schmerz wird leichter, der Kopf wird wieder frei und neue Gedanken können entstehen.

Nicht wahrgenommene Gefühle können Dich massiv schädigen

Verdrängst Du jedoch Deine traurigen, ängstlichen, wütenden Gedanken dauerhaft, können sie Dir ernsthaft schaden. Sie können Depressionen oder Burnout auf der seelischen Ebene auslösen oder Migräne, Magengeschwür oder Herzprobleme auf der körperlichen Ebene verursachen.

Sie werden alles versuchen, um von Dir wahrgenommen zu werden und die entsprechende Aufmerksamkeit zu erhalten.

Tue Dir selber einen Gefallen und gehe nicht den schweren Weg.

Gönne Dir diese Momente des Mitgefühls, schenke Deinen Gefühlen die so sehr gewünschte Aufmerksamkeit und erlaube Dir dadurch frei und lebendig zu sein.

Denn wenn Du Dir gelegentlich diese Zeiten des Fühlens gönnst, werden sich Deine Gefühle nicht mehr zu einem übergroßen Sumpf, der Dich zu verschlingen droht, aufstauen.

Ich wünsche Dir, dass Du Dir  sanft und mitfühlend das Mitgefühl gönnst, dass Dir gut tut und

„gelegentlich ein Ströphchen heulst“

Deine Andrea Zimmermann

Du möchtest mehr über meine Arbeit gefallen, dann freue ich mich über einen Besuch auf meiner Seite www.phoenix-zimmermann.de.